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Der letzte Tag vom alten Leben…?

Heute ist der letzte Tag vom alten Leben. Sage ich jetzt mal so. Denn: heute habe ich die letzte Tablette genommen, zum letzten Mal Citalopram, das mir die letzten Jahre über weniger schöne Zeiten hinweggeholfen hat. Als ich wieder mit der medikamentösen Therapie angefangen habe, war ich ein Wrack. Im wahrsten Sinne. Viele Umstände hatten mir das Leben unwahrscheinlich schwer gemacht und ich fühlte, wie mich das Monster von hinten immer wieder packte und mich mit sich riss. Als ich damals zum Arzt ging und im Wartezimmer saß, kamen wieder Zweifel. „Was willst Du dem denn schon sagen? Ich meine… eigentlich ist doch alles okay.“ Dass dem nicht so war, hatte ich nicht nur vor dem Gespräch gewusst, auch wenn ich kurz davor wieder daran gezweifelt hatte. Im Gespräch dann… zeigte mein Arzt nicht nur Verständnis, sondern auch Verwunderung. Verwunderung darüber, wie ich mich all die Zeit ohne Hilfe anzunehmen durch gewisse Situationen und Begebenheiten gekämpft hatte. Für ihn gab es keinen Zweifel daran, dass ich Hilfe brauchte. Und er legte mir sehr ans Herz, auszusteigen für eine Weile, in Kur zu gehen. Abzuschalten.

Durch gewissen Umstände konnte ich das damals nicht, was aber weniger etwas mit mir als mit der finanziellen Situation zu tun hatte. Aber es war klar: es musste sich was ändern. Nachdem ich meine Probesitzungen bei einer wunderbaren Therapeutin hinter mich gebracht und festgestellt hatte, dass nicht ich diejenige war, die mein Leben so zerstört hatte (gut, in gewissem Maße ist JEDER Schuld daran, wenn das eigene Leben vor die Hunde geht), fasste ich neuen Mut und begann, mein Leben konsequent zu ändern. Dazu gehörte eine Scheidung, die mich zuletzt unglaublich viel Kraft kostete und mir fast alle Kraft zum Atmen nahm.

Und plötzlich traf ich immer dann, wenn ich am wenigsten daran glauben wollte Menschen, die mich langsam aber sicher wieder in die richtige Bahn mitnahmen. Besonders Neo (er weiß schon, wer gemeint ist) gab mir immer wieder neue Kraft, indem er lobende Worte für meine Arbeiten fand. Worte, die ich vorher nie gehört hatte, die mich plötzlich wieder an mich, an das was ich tat, glauben ließen.

Heute ist der letzte Tag von meinem alten Leben. Die letzte Tablette ist geschluckt, ab morgen darfmusssoll ich ohne. Für mich ist es die Chance und die Gewissheit, dass ich nie wieder dort hingelangen möchte, wo ich war. Wer den Film „Hinter dem Horizont“ kennt, kann sich vorstellen, wo ich war. Es ist nach wie vor nicht schön und auch nicht einfach, daran zu denken. Aber: der Blick geht nach vorne. Ich liebe das, was ich tue. Die Möglichkeiten, die vor mir liegen. Die Gewissheit, dass ich Dinge kann. Und dass ich mir ruhig neue Dinge zutrauen darf. Und auch mal stolz auf mich sein kann.

Hallo neues Leben… mal schauen, was wir beide miteinander anfangen. 🙂