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Auf dünnem Eis

Es gibt Tage, die sind gut. Glücklicherweise sind das mittlerweile die meisten Tage in meinem Leben. Dazwischen gibt es aber auch Tage, da merke ich, wie dünn das Eis ist. Ich kann den Abgrund sehen, die Dunkelheit, in der ich so lange gefangen war. Und an manchen Tagen bin ich nicht stark genug, einen Schritt zurück zu gehen und vor der Dunkelheit zurückzuweichen.

An solchen Tagen merke ich, wie dünn das Eis ist – wie nahe ich dem Abgrund noch bin, wie viel ich noch lernen muss. Wiederentdecken muss. Es sind diese Tage, an denen mir die Müdigkeit in den Knochen steckt und ich nicht weiß, ob es wieder eine dieser Nebenwirkungen ist, die Antidepressiva mit sich bringen. Oder ob ich einfach nur müde bin. Zu müde für das Leben. Nein, ich bin NICHT lebensmüde. Aber es sind diese Tage an denen man sich fragt: wie wäre es, nicht mehr zu existieren? Einfach zu verpuffen wie ein Stern im Märchen, in tausende kleiner Partikel zu verspringen, glitzernd im Mondschein.

Es ist keinesfalls ein nicht mehr leben wollen. Nein. Aber es ist die Frage, wie es wäre, einfach davonzuschweben. In Leichtigkeit. Das Monster, das sich leise von hinten anschleicht, micht umgarnt und auf einmal in seinen Klauen hält einfach abzuschütteln. Manch einer wird nun sagen: Na dann mach das doch einfach! Aber so schwer es für gesunde Menschen zu glauben ist: das ist eben nicht einfach. An manchen Tagen gelingt es und das Monster ist weit weit weg. Und dann spüre ich seine Nähe und versuche es abzuschütteln – doch da ist es meistens schon zu spät.

Besonders schlimm sind diese Tage für einen Menschen, der eigentlich voller kreativer Ideen steckt und täglich um sich wirbeln möchte. Sich einzugestehen, dass es wichtig ist, Pausen zu machen. Eben nicht 24/7 seinen Ideen hinterherjagen zu können. Der seinen Job, seine Kollegen mag und gerne das tut, was er tut. Der das Glück hatte, sich endlich dorthin zu wagen, wohin er sich früher nie gewagt hätte – nämlich das zu tun, was er liebt. Am Ende steht dann meist die Angst, all das zu verlieren. Wegen des Monsters. Weil man nicht stark genug ist. Oder sein könnte. Und dann sind die Selbstzweifel wieder da. Und der Lauf im Hamsterrad beginnt, bis jemand Dich an die Hand nimmt, dort hinaus holt und sagt: hey, es ist alles okay!