Daniel Glattauer – „Gut gegen Nordwind“ & „Alle sieben Wellen“

Was soll man über Bücher schreiben, die man in weniger als 24 Stunden gelesen hat? Beide. Nacheinander.

Zunächst bleibt einmal der Suchtfaktor, der so hoch sein muss, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann und möchte. Und man wünscht sich am Ende doch, hätte man sich länger zeit damit gelassen, die Geschichte noch etwas langsamer gelesen, das unweigerliche Ende des Buches hinausgezögert.


Und dann ist da diese Geschichte, die zwei Menschen auf eine Weise miteinander verbindet, wie sie heute nicht einmal mehr unüblich ist, auch wenn die beiden doch mehr als großes Glück haben. Denn da landet eine Email von einer gewissen Emmi Rothner im Postfach eines gewissen Leo Leike. Und das nur, weil sich ein kleiner Tippfehler eingeschlichen hat. Ganz langsam und behutsam entwickelt sich über die fehlgeleitete Kündigung eines Abonnements noch nicht einmal die Ahnung einer zarten Bidung. Und plötzlich ist sie da.

Gut gegen NordwindAlle sieben WellenDie beiden kommen ins Gespräch. Und dann folgt plötzlich Mail auf Mail, jeder neugierig auf den anderen. Je mehr sie voneinander erfahren, desto faszinierter sind sie voneinander. Und doch, immer wieder gibt es Dinge im Leben der beiden, die es fast unmöglich machen, dem anderen noch etwas näher zu kommen. Da ist Marlene, da ist Bernhard. Da sind die beiden, die sich selbst immer wieder im Weg stehen. Und doch ist es genau diese Situation, die sie einander immer näher bringt. Die Gespräche werden persönlicher und bald kennt jeder den anderen besser, als jeder sich selbst. „Gut gegen Nordwind“ endet… unerwartet. Nun vielleicht eigentlich nicht einmal, vielleicht erwartet man auch genau dieses Ende, doch es befriedigt einen nicht.

 

Gut, wenn man dann direkt den zweiten Teil lesen kann. Die Geschichte entwickelt sich weiter, obwohl beide eine Zeit lang weit voneinander entfernt waren. Physisch wie auch psychisch. Letzteres zumindest in gewisser Weise, denn keiner kann den anderen einfach so vergessen, wegschließen. Auch wenn sie es hin und wieder versuchen, der andere ist immer da. Und plötzlich kehrt Leo zurück aus Boston, völlig unerwartet und Emmi kann ihr Glück kaum fassen. Keine leeren, automatischen Antworten des System-managers mehr, sondern echte Worte von Leo. Und das Spiel beginnt erneut. Doch die Sehnsucht ist da und wir wissen, wir hoffen, wo es enden wird. Alles führt unweigerlich zu einem Ende, doch welches Ende erwartet die beiden?

Ich will nicht zuviel vorweg greifen. Dazu sind die beiden Bücher einfach zu wunderbar. Sie fesseln, sie reißen mit, sie lassen hoffen, bangen. Man meint zu spüren, wie die beiden fühlen, was in ihnen vorgeht. Ich habe lange kein Buch mehr gelesen, das mit derart mit sich gerissen hat. Leider habe ich auch nur zwei Daumen, die ich nach oben halten kann, aber die halte ich sehr hoch! Eine Liebesgeschichte auf eine ungemein schöne Art erzählt. Deswegen: unbedingt lesen!